Unsere Ausstellung präsentiert vier grossformatige Werke, was ihrer Bedeutung angemessen ist und was als ausserordentlicher Glücksfall gewertet werden muss. Bedeutend ist die Werkgruppe der braunen Gemälde, insgesamt etwa zwanzig Arbeiten, und bedeutungsvoll ist ihr historischer Ort. Ab Mitte der sechziger Jahre wurden der Stellenwert und die Zukunftsaussichten der Malerei in Zweifel gezogen, so etwa, wenn Frank Stella in einem Interview mit Lucy Lippard zur grossen Tradition folgende Bemerkung machte: "It's just that you can't go back. It's not a question of destroying anything. If something's used up, something's done, something's over with, what's the point of getting involved with it ?" Nichtsdestoweniger sind es einige wenige Künstler im Bereich der Avantgarde, die noch voll und ausschliesslich mit Malerei und der unweigerlich damit verbundenen Geschichte zu tun haben wollten. Ihre Leistung und ihr jeweils einzigartiges und individuelles Profil ist umso bemerkenswerter. James Bishop, Robert Mangold, Brice Marden, Agnes Martin, Robert Ryman sind die Maler, denen dort, wo die grosse Generation der amerikanischen abstrakten Expressionisten einen unübertrefflichen Endpunkt gesetzt hatte, ein vielversprechender Anfang gelang. Es war dies keine künstlerische Bewegung, kein gemeinsamer programmatischer Ansatz wurde proklamiert, und eben deshalb ist das Lebenswerk dieser Protagonisten einer erneuerten, lebensfähigen Malerei jeweils ein stabiles und unübersehbares Gebäude. Dass eigene Anstrengung und Analyse diese wichtigen Einzelgänger, trotz und mit der grossen, überindividuellen Tradition zu herausragenden künstlerischen Leistungen befähigten ist ein Glücksfall der Kunstgeschichte.
Die spürbaren, lesbaren, sichtbaren Sensationen oder Sinneseindrücke, die von der Malerei im Laufe ihrer langen und glanzvollen Geschichte immer deutlicher als Eigenwert hervorgebracht wurden, sollten erhalten und weiterhin Teil der künstlerischen Sprache bleiben. Dies setzte aber radikale Innovation voraus, was alle weiteren Formulierungen, Erfindungen und Entscheidungen anging. Denn wenn isolierte ästhetische Zeichen oder Qualitäten lediglich extrahiert werden und sich als abgeleitete, selbstgenügsame Verfahren präsentieren bleibt das Resultat unerhebliches Machwerk. Dem Künstler muss es gelingen, Medium und Material, Form und Vorgehensweise zu einem neuen Organismus zu verdichten. Die Teile rechtfertigen das Ganze und das Ganze wiederum die Teile.
Anlass und Problem der braunen Bilder von James Bishop sind eben nur gerade diese Bilder. Die Grösse der Leinwand, im Bereich von 195 x 195 cm, kommt der Handhabung durch den Künstler entgegen. Deshalb gibt es auch keinen Grund, dieses Mass zu variieren. Es ist das selbstverständliche Mass einer Familie von Dingen, weder sehr gross, noch klein. Richtig auf der Wand angebracht, das heisst mit einem deutlichen Bezug zum Fussboden, wird das Format zu einer Qualität des Werks. Handhabung ist ein wichtiger Aspekt der Werke, denn um diese zu malen, legte Bishop die aufgespannte Leinwand auf den Fussboden. Die Malmethode belässt dem Pinselstrich lediglich eine verdeckte Präsenz. Es ist die starke, sinnliche Präsenz der Farbhaut, die das Bildgeschehen dominiert. Ein klares und einfaches Balkengerüst organisiert die Bildstruktur. In einigen Werken ist die weiss grundierte Leinwand Teil der Bildfläche, was die Sinnlichkeit der Farbe noch deutlicher akzentuiert.
Alle Beschreibungen bleiben aber notwendigerweise dem Impetus dieser Malerei unangemessen und äusserlich. Was von dieser abstrakten Malerei ausgeht ist vielmehr eine tiefe und getragene Emotion, ein merkwürdiger und starker Realitätsbezug.
Gianfranco Verna

Installation view

Installation view

Installation view

Installation view

Installation view

Installation view Raum 1

Installation view Raum 4

Installation view Raum 1

Installation view Richtung raum 4

Untitled (Bank) 1974
195 x 195 cm
Öl auf Leinwand

Untitled (Bank) 1974
195 x 195 cm
Öl auf Leinwand

Untitled 1974
192,5 x 192,5 cm
Öl auf Leinwand

Untitled 1974
192,5 x 192,5 cm
Öl auf Leinwand

State 1972
182,7 x 183 cm
Öl auf Leinwand

State 1972
182,7 x 183 cm
Öl auf Leinwand

Untitled 1971
195 x 195,5 cm
Öl auf Leinwand

Untitled 1971
195 x 195,5 cm
Öl auf Leinwand
Celebrating 20 Years of Neptunstrasse 42
14. März bis 6. Juli 2013
Richard Tuttle
The Use of Time
Hrsg. Kunsthaus Zug, Vorwort Matthias Haldemann, Text Marco Obrist deu/eng 36 S., 30 farbige Abb. Hatje Cantz Verlag / Kunsthaus Zug
David Rabinowitch
Birth of Romanticism Drawings
Peter Blum Edition New York Annemarie Verna Edition Zürich Richter Verlag, Düsseldorf
Dan Flavin - Lights, Kunstmuseum St. Gallen, 16. März – 18. August 2013
Andreas Christen - Lumineux ! Dynamique ! Espace et vision dans l’art de nos jours à 1913, Galerie Nationale du Grand-Palais, Paris, 9. April – 29. Juli 2013
Forrest Bess - Seeing the Invisible, The Menil Collection Houston, TX, 11. April – 18. August 2013
Joseph Egan - A Coat of Many Colors, Gartenflügel Kulturelles Forum, Ziegelbrücke, 27. April – 26. Mai 2013
Rita McBride - lonelyfingers Konversationsstücke,
17. März – 2. Juni 2013,
Museum Abteiberg, Mönchengladbach
16. November 2008 – 2033
Sol LeWitt –
A Wall Drawing Retrospective
Yale University Art Gallery and Williams College Museum of Art