Sol LeWitt (1928 - 2007) Wall Drawing Scribble #15, 2007
bis 3. Oktober 2009
Sol LeWitt (1928 - 2007) Werke auf Papier und Strukturen 1966 – 2005
bis 11. Juli 2009
Zeit und Zeitlichkeit sind in eigentümlicher Weise mit den Wall Drawings von Sol LeWitt verbunden. Zeit ist ein guter Leitbegriff, um sich das Besondere, das Ereignishafte dieser epochalen Erfindung zu vergegenwärtigen.
1968 zeichnete Sol LeWitt seine erste Wand Zeichnung auf eine Wand der Paula Cooper Gallery in New York. Zeitpunkt und Kontext sind kein Zufall. Eine ungewöhnliche gesellschaftliche, kulturelle und künstlerische Konstellation ermöglichte Innovationen und Verschiebungen ausserhalb einer deterministischen, kunstimmanenten Entwicklungslogik. Mediale Gehäuse und Formen erwiesen sich als schwach und brüchig. Sie wurden attakiert, demontiert, für obsolet erklärt. Taten und Fakten sollten zukunftstaugliche Umstände schaffen. Dass Sol LeWitt seine Arbeit nicht aus dem Studio in die Galerie brachte, dass er die Wand der Galerie in Anspruch nahm, das Werk an Ort und Stelle ausführte und eine Entfernung nach Ausstellungsschluss vorgesehen war, all das waren Vorgänge und Gesten, die das Verhältnis des Künstlers zu seinem Werk, zu Zeit und Raum einerseits und andererseits zur Galerie und zum Museum veränderten. Ausstellungs- und Funktionsangebote wurden nachhaltig erweitert und unterlaufen. Bald wurde die Ausführung der Wall Drawings den Draftsmen oder Assistenten überlassen, was dem Konzept eine weitere, wesentliche Dimension anfügte.
Kunst auf Zeit, die den Gegensatz von Permanenz und Vergänglichkeit anders angeht, neu aufmischt? «The Wall Drawing is a permanent installation, until destroyed. Once something is done, it cannot be undone.» (S.L. 1970) Anfänglich genügte eine knappe Beschreibung der Wand Zeichnung auf einem Din A4 Blatt, eine eigentliche Gebrauchsanweisung. Später begleitet ein Zertifikat mit exaktem Diagramm jedes Wall Drawing. Diese Notation oder Partitur verleiht dem Werk eine unbegrenzte Lebensdauer. Auch in Bezug auf den Standort entfaltet sich ein Paradox. Der Ort ist äusserst wichtig und unwichtig. Der architektonische Raum ist der Resonanzraum jeder temporären oder permanenten Installation.
Ein solches Original ohne Original besetzt bis Anfangs Oktober einen der grossen Ausstellungsräume der Galerie. 2006 und 2007 hat Sol LeWitt eine Anzahl schwarz-weisser Wall Drawings konzipiert. Mit feinem Graphitstift zeichnet der Assistent ein in seiner Struktur sehr freies, chaotisches Liniennetzwerk. Diese Linienknäuel erzeugen ihrerseits eine, von Dunkel zu Hell und wieder zu Dunkel abschattierte, illusionistische Räumlichkeit. Mit aller Deutlichkeit weisen aber Wand und Struktur diese Räumlichkeit zurück. «I wanted to do a work of art as two-dimensional as possible.» (S.L. 1970)
Mit Graphitstift hat Sol LeWitt seine ersten Wand Zeichnungen ausgeführt. Am Ende seines Lebens hat er wieder für diese unmittelbar zeichnerische Vorgehensweise Projekte geschaffen.
1975 konnten wir erstmals eine Einzelausstellung mit Sol LeWitt zeigen. Installationen seiner Wall Drawings begegnete der Besucher 1984, 1988, 2001 und 2004 in unseren Galerieräumen. Die Freundschaft und Loyalität dieser feinen und bedeutenden Künstlerpersönlichkeit hat viel dazu beigetragen, dass wir auf nunmehr vierzig Jahre Galeriegeschichte zurückschauen. In berührender Weise rückt so Lebenszeit ins Blickfeld. Die neue Wand-Zeichnung «Scribble» #15 ist bis zum 23.Mai das Zentrum einer kleinen Hommage an Sol LeWitt. Bis zum 3.Oktober bleibt sie Mittelpunkt weiterer Aktivitäten: «Räume» bietet die Gelegenheit, Werkgruppen von Künstlern zu sehen, die das Profil und die Geschichte der Galerie mitgeprägt haben.

Installation view Raum 4

Installation view Raum 1

Installation view Raum 2

Installation view Raum 3

Installation view Raum 4

Installation view Raum 4

Publikationen und Kataloge
von Sol LeWitt in
Zusammenarbeit mit der
Annemarie Verna Galerie

Bands of Lines in Different Directions
1996
50.8 x 210.8 cm
two part color aquatint
Ed. 36 und AP 5/8

Irregular Shape
1997
55.9 x 55.9 cm
gouache on paper

Irregular Grid
2001
237.5 x 153.7 cm
gouache on paper

Complex Forms,
Structure V3
1990
150 x 113 x 115 cm
wood, painted white

Complex Forms,
Structure V3
1990
150 x 113 x 115 cm
wood, painted white

Complex Forms,
Structure V3
1990
150 x 113 x 115 cm
wood, painted white

Pyramid
1985
48.7 x 58 cm
gouache on paper
Privatsammlung
nicht verkäuflich

Wavy Horizontal Brushstrokes
1995
78.7 x 153.7 cm
gouache on paper

Horizontal Bands
(More or less)
2003
28 x 75.8 cm
gouache on paper

Black and White Horizontal Lines on Color
2005
51 x 152 cm
gouache on paper

Black, Red and Blue
1969
color ink on paper
48 x 88 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

Location Drawing
1976
pencil and color ink on paper
31.8 x 31.8 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

The Location of a Blue Circle, Yellow Rectangle, Red Parallelogram and Black Triangle
1976
pencil and color ink on paper
37.5 x 38 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

Eight Examples,
from Set IB 1968
1973
pencil and ink on paper
27.5 x 44 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

Lines in Four Directions
1969
pencil and ink on paper
30.5 x 30.5 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

Circles, Grid and Arcs
from Four Sides
1972
pencil and ink on paper
19 x 41.5 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

Lines in Four Directions (Yellow)
1971
yellow ink on paper
22.5 x 27.5 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

Lines in Four Directions Superimposed
1971
yellow ink on paper
45.5 x 45.5 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

1, 2, 3, 4, 5 (Square)
1986
wood, painted white
48.5 x 164.5 x 164.5 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

1, 2, 3, 4, 5 (Square)
1986
wood, painted white
48.5 x 164.5 x 164.5 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

1, 2, 3, 4, 5 (Square)
1986
wood, painted white
48.5 x 164.5 x 164.5 cm
Privatsammlung
nicht verkäuflich

Scribble Wall Drawing #15
2007
graphite
152.4 x 152.4 cm / 60 x 60"
first drawn by: Nicolai Angelov
first installation:
Annemarie Verna Galerie, Zürich 2009

Scribble Wall Drawing #15
2007
graphite
152.4 x 152.4 cm / 60 x 60"
first drawn by: Nicolai Angelov
first installation:
Annemarie Verna Galerie, Zürich 2009

Scribble Wall Drawing #15
2007
graphite
152.4 x 152.4 cm / 60 x 60"
first drawn by: Nicolai Angelov
first installation:
Annemarie Verna Galerie, Zürich 2009
Tageslicht von links

Scribble Wall Drawing #15
2007
graphite
152.4 x 152.4 cm / 60 x 60"
first drawn by: Nicolai Angelov
first installation:
Annemarie Verna Galerie, Zürich 2009
Detail
Celebrating 20 Years of Neptunstrasse 42
14. März bis 6. Juli 2013
Richard Tuttle
The Use of Time
Hrsg. Kunsthaus Zug, Vorwort Matthias Haldemann, Text Marco Obrist deu/eng 36 S., 30 farbige Abb. Hatje Cantz Verlag / Kunsthaus Zug
David Rabinowitch
Birth of Romanticism Drawings
Peter Blum Edition New York Annemarie Verna Edition Zürich Richter Verlag, Düsseldorf
Dan Flavin - Lights, Kunstmuseum St. Gallen, 16. März – 18. August 2013
Andreas Christen - Lumineux ! Dynamique ! Espace et vision dans l’art de nos jours à 1913, Galerie Nationale du Grand-Palais, Paris, 9. April – 29. Juli 2013
Forrest Bess - Seeing the Invisible, The Menil Collection Houston, TX, 11. April – 18. August 2013
Joseph Egan - A Coat of Many Colors, Gartenflügel Kulturelles Forum, Ziegelbrücke, 27. April – 26. Mai 2013
Rita McBride - lonelyfingers Konversationsstücke,
17. März – 2. Juni 2013,
Museum Abteiberg, Mönchengladbach
16. November 2008 – 2033
Sol LeWitt –
A Wall Drawing Retrospective
Yale University Art Gallery and Williams College Museum of Art