Galeriebrief - Annemarie Verna Galerie
 

Galeriebrief 1/2008

18. Januar bis 1. März 2008

JOSEPH EGAN, Voices
Stimmen, Assoziationen – aber auch Klänge, Stimmungen, gebildet aus Farbe, verkörpert in Farbe. In den Augen von Joseph Egan und durch seine Augen ist Künstlerschaft nicht bloss ein Tun, sondern vielmehr ein Verhalten. Dieses bestimmt voll und ganz sein Verhältnis zur Welt und zur Kunst. Es bestimmt ihn zum Beobachter, dem ein Instrument, das zu gebrauchen er gelernt hat zur Verfügung steht, die Farbe. Farbe ist Vorschein. Im Sinne von zum Vorschein bringen, sichtbar machen, erscheinen lassen. Die Farbe ist der Indikator, der die Aufmerksamkeit des Malers bündelt. Licht und Schatten sind gleichsam Zustände von Farbe. Farbflecken sind besondere Farborte und jede Oertlichkeit ist durch ein ihr eigenes Farbklima geprägt.

Von Aufenthalten in Aix en Provence, in Le Cannet, Nice und Vence bringt J.E. kostbare Erinnerungen und Feststellungen zurück in sein Studio in Ziegelbrücke. Solcher Geographie sind die Namen von Cézanne, Bonnard und Matisse eingeschrieben. Diese Bezüge sind wichtig und intentional. Wichtiger ist, dass diese Maler den Blick auf ihre Landschaften ebenso geprägt haben, wie sie durch diese Landschaften geprägt wurden.

Morvan im Burgund und Procida, eine kleine Insel bei Neapel, sind andere Destinationen, denen eine Vielzahl von Malereien auf Papier ihre Existenz verdanken. Fast durchgängig gleicht der formale Aufbau der Blätter einem Fenster. Ausblick, Einblick ? Dies bleibt offen. Jedenfalls ist das Fenster die bildhafte Metapher für jene Stelle, wo Innen und Aussen, Innenwelt und Aussenwelt aufeinander stossen, zueinander in Bezug gesetzt, aber auch voneinander geschieden werden. Diese Schnittstelle muss den Künstler beschäftigen, davon ist J.E. überzeugt.

Die Frage, ob es sich bei diesen, zuweilen spontan gemalten Arbeiten um Darstellungen oder Abstraktionen handelt ist nicht schlüssig zu beantworten. Eine Mehrdeutigkeit, die zum Schaffen von J.E. gehört. Der Bezug zur sichtbaren Welt ist in irgendeiner Weise in seinen Arbeiten immer vorhanden. Ebenso ist Farbe immer an Stofflichkeit gebunden und bei den Konstruktionen, kleinen Bildarchitekturen, überzieht der Werkstoff Farbe die eingefügten Elemente, integriert die Teile in das Ganze. Die Pinselarbeit unterstreicht narrative Hinweise, setzt malerische Akzente.

Es ist eine Poetik der Oberfläche, die den Künstler umtreibt. Paradoxerweise zeigt sich Tiefe an der Oberfläche, den Oberflächen. Der Arbeitsprozess bildet selbstverständlich Zeitlichkeit und Räumlichkeit ab. Die vielen Schichten der Oberflächen, die Sorge und Sorgfalt mit denen Farbstoffe und Pigmente angewendet werden ist aber nicht selbstgenügsam oder selbstgefällig. Die derbe Alltäglichkeit des Materials, aus dem viele der Bildobjekte gebaut sind, behaftet diese Gegenstände mit einem irritierenden Bezug zu einer Normalität, in der die Dinge ihrem Gebrauch unterworfen sind. Was also wird der Farbe, ihrem transzendierenden Vermögen zugemutet ? Die Allgegenwärtigkeit von Farbe in der Lebenswelt, die Vielfalt ihrer Funktionen, Verstrickungen, Bedeutungen ist die Thematik dieser künstlerischen Arbeit und Leistung. Mit einem offenen Netzwerk von Möglichkeiten versucht Joseph Egan seit Jahrzehnten einem grossen Anspruch gerecht zu werden. Die Werke sind Zeugnis und Erfüllung dieses Tagewerks.

Hinweise:

James Bishop , Malerei auf Papier 1959 - 2007
Josef Albers Museum, Bottrop, Deutschland, 16.12.2007 – 17.02.2008