Galeriebrief - Annemarie Verna Galerie
 

Galeriebrief 1/2010

20. März bis 8. Mai 2010

In Place of Love   Glen Rubsamen (1957* Hollywood USA)
«Das Negative zu tun, ist uns noch auferlegt, das Positive ist uns schon gegeben.» Franz Kafka – Die Zürauer Aphorismen.

Die dunklen Silhouetten vorzüglich von Palmen und weiteren Bäumen, Pflanzen und Sträuchern, aber auch zuweilen von Verkehrsampeln, Baukränen, Flutlichtmasten, Mobilfunkantennen und von modernen Skulpturen und postmodernen Architekuren ragen und recken sich in weite Himmel. Stimmungsvoll verfärbt sind diese Himmel, oder sie haben diese Phase eben gerade hinter sich gelassen. Momente des Uebergangs, Abend- oder Morgendämmerungen, die es verdienen, dank ihrer exotischen Uebermächtigkeit festgehalten zu werden. Das Objektiv einer Kamera hat sich ohne Zweifel dazwischen geschoben und trägt dazu bei, dass sich Uebertreibung und Banalität ein Stelldichein geben. Tatsächlich ist die Kamera ein unentbehrliches Werkzeug in den Händen von Glen Rubsamen. Ueberall auf der Welt sammelt er so seine Bildgegenstände und er kombiniert, sampelt und mutiert diese zu merkwürdigen Szenerien. Die Art und Weise, wie er die Bildgegenstände im Bildgeviert plaziert, wie sich diese zur Bildbegrenzung, zu den Bildrändern verhalten zeugt von einer höchst differenzierten Regie. Diese Dramaturgie ist die eigentliche Poetik der Bildsprache von Glen Rubsamen, eine Dramaturgie die es vermeidet, bemerkt zu werden und irgendetwas als arrangiert oder gestellt erscheinen zu lassen. Dem Betrachter wird ein bestimmter Standort, ja eine Funktion zugewiesen. Seinen Blick hat er zumeist nach oben zu richten und wie mittels eines Objektivs wird ein Ausschnitt unterschoben, über den nicht hinausgesehen werden kann. Das ohnmächtige Unternehmen, nur gerade die überwältigende Stimmung einzufangen, muss misslingen. Die Bildgegenstände erscheinen wie zufällig kombinierte Überbleibsel, durch die Künstlichkeit menschlichen Verhaltens auf ihren Platz verwiesen. Eben diese soziale Prägung einer Landschaft, die den Menschen als Bewohner und als Tourist, aber auch als Ausbeuter und Voyeur synchronisiert, lässt die Bildgegenstände zu mehrdeutigen Zeichen erstarren. Sie negativ oder positiv zu konnotieren ist eine Frage des Standpunktes. Während der Standpunkt offen bleibt, er hängt mit dem Wohlwollen oder der Hinterhältigkeit des Betrachters zusammen, ist der Standort des letzteren fixiert. Der Horizont, manchmal noch knapp sichtbar, manchmal aus dem Gesichtsfeld geraten, deckt sich mehr oder weniger mit dem unteren Bildrand. Dass ein Horizont in der wirklichen Welt nicht vorkommt, sondern dieser ein unausweichliches Produkt, ein Behelf menschlicher Wahrnehmung ist, ist eine eigentliche Pointe der Bildkonstruktion. Und auch hinter die Dinge zu sehen ist uns nicht möglich. Mit unserem Wissen, mit Annahmen und Vermutungen lassen sich diese schwarzen Silhouetten ergänzen, komplettieren. Einen Vordergrund bieten diese Bilder nicht an. Als Zuschauer befinden wir uns in eben dieser im Bild abwesenden Zone und werden zu Komplizen.

Eine Steigerung dieses Aspektes von Glen Rubsamens Strategie offeriert die raumgreifende Installation «In Place of Love». Sein Sinn für listige Ambiguität versetzt uns in ein Ambiente zwischen Studiolo und Reisebüro. Viele Motive intrigieren den Eingetretenen. Auf Spiegel gedruckt lösen sich die Formen der quadratischen Ansichten gleichsam vom Bildträger, suggerieren falsche Tiefe. Harmlose Harmonie oder vergiftete Träume? Im Zentrum der Installation befindet sich eine verschlossene Türe. Was dahinter liegt bleibt unzugänglich.

Ausstellungen

16. November 2008 – 2033
Sol LeWitt
A Wall Drawing Retrospective

Yale University Art Gallery und Williams College Museum of Art