Andreas Christen (1936 – 2006)
Was ist Korruption? Ad Reinhardt äussert sich zum Thema 1961 (Panel Discussion, Scrap, NY): «Ich versuchte darüber nachzudenken, was Korruption ganz allgemein bedeutet. Nun, was wäre Korruption bezogen auf die Kunst? Und meine Antwort würde lauten, es sind die Werke, die zu verfügbar sind, zu ungenau, zu offen, zu poetisch. Ich würde sagen, dass dies zu vielen Leuten erlaubt, ihre eigenen Ideen in das Werk zu projizieren, und ich mag es nicht, wenn Kunst derart offen ist, dass in einem bestimmten Moment alles möglich ist, fast ein jeder so etwas machen könnte. Ich denke, diese ganze Idee ist korrupt. Ich meine, die Vorstellung eines Künstlers, der uns glauben machen will, er wüsste nicht was er tut, ist eine korrupte Vorstellung.»
Korruption und Opportunismus waren Gesprächsstoff, der uns tagtäglich umtrieb. Die Feststellung entsprechender Belege im Kunstbetrieb und deren Analyse schärfte, durchaus lustvoll, die Eigenwahrnehmung. Der Zwang zur Präzisierung künstlerischer Argumente war eine ständige und fruchtbare Herausforderung. Dass der Marktplatz über die Jahre immer schärfer ein aktives Veralten künstlerischer Überzeugungen als Strategie einsetzt, macht das Einstehen für überlegt und sicher getroffene Entscheidungen immer anspruchsvoller. Andreas Christen wollte lebenslang genau und immer genauer wissen, was er als Künstler und was er als Gestalter tat. Seine frühen Arbeiten, 1959 bis 1964, sind treffsichere Meisterstücke, informiert durch neue Materialien und neuartige Produktionsmethoden. Der Schritt vom Bild zu einem dreidimensionalen Wandobjekt war die notwendige Konsequenz seiner künstlerischen Zielsetzung. Diese Werke waren in jeder Hinsicht zeitgemäss. Sie gehören zu den innovativsten und wichtigsten Leistungen des schweizerischen Kunstschaffens in einer Zeit radikalen Umbruchs. Aber dabei sollte es nicht bleiben. Das Erreichte sollte so nicht ausgeschlachtet, monopolisiert werden. Mit Unterbrüchen, lebensbedingt, zeitbedingt, ging ein schöpferischer und intellektueller Arbeitsprozess weiter, um die Dinge, die Objekte richtig zu denken, um diesen dem gemäss das richtige Aussehen in allen Aspekten zu geben. Tauglichkeit war gemeint, für Funktionen, die in Kunst und Design grundsätzlich verschieden sind.
Die Form als Einzelereignis, die ein stetes Erfinden und Variieren von weiteren Formen erfordert, was nur in engen Grenzen möglich ist, ersetzte Andreas durch eine Struktur. Solche Generalisierung, die der Individualisierung des Formereignisses entgegengesetzt ist, verlegte den Schwerpunkt auf die eigentliche Thematik seines Werkes. Eine einfache Struktur, bestehend aus alternierenden positiven und negativen gleichartigen Elementen, erzeugt eine irritierende Vielfalt von Wahrnehmungsmomenten und sich verändernden Formzusammenhängen. Licht und Schatten konstruieren in exemplarischer Weise Räumlichkeit. Andreas begriff seine Werke gleichsam als Instrumente, die in das Kontinuum von Raum eingreifen und Raumerfahrung erlebbar machen. Die abstrakte Gestalt dieses Werkzeuges macht die Bedingungen räumlicher Wahrnehmung anschaulich. Schliesslich gelang es ihm in den letzten zehn Jahren seines Lebens für Probleme, mit denen er sich lange beschäftigt hatte, die gültige Lösung zu finden. Weder Bilder noch Reliefs, finden die Werke zu ihrer definitiven Form. Und die Aura des Kunstwerkes? Sie wird transformiert in eine lebendige Einheit von Licht, Schatten und Raum.
Rita McBride | Public Sculpture
Mae West, Effnerplatz München | www.ritamcbride.net
November 16, 2008 – 2033
Sol LeWitt –
A Wall Drawing Retrospective
Yale University Art Gallery and Williams College Museum of Art
James Bishop / Richard Tuttle
9. September bis 6. November 2026
Richard Tuttle
Complete Interviews 1970–2022
Editiert und mit einem einführenden Interview von Dieter Schwarz
Glen Rubsamen
The Petrified Forest
Herausgeber: Glen Rubsamen
INSIGHT – ARTWORKS IN THE SPOTLIGHT #2 , Malereien auf Papier von James Bishop präseniert vier ausgewählte Papierarbeiten von James Bishop. Entstanden zwischen 1956 und ca. 1993, geben sie einen gültigen Einblick in ein künstlerisches Werk, das geprägt ist durch das Insistieren auf der Malerei.
Giulio Paolini A.R.S. Scaenica, Teatro Franco Parenti, Milan , permanente Installation
Giorgio Griffa Paths in the Forest, The Clark Art Institute, Williamstown (MA), bis 12. Oktober 2026
Agnes Martin Painting is not making paintings, Dia:Beacon, Dia Art Foundation, Beacon, long-term view
Rita McBride LO·CO·MO·TIV, two person show with Sophie Tottie, Lokstallet Konsthallen, Strömstad, bis 27. September 2026
Abstract Constructions, Nassos Daphnis - Rita McBride, Fondation CAB, Saint-Paul-de-Vence, FR, bis 25. Oktober 2026
Richard Tuttle | Giulio Paolini | Marisa Merz | Mario Merz
Long Story Short, Museum Brandhorst, München, bis Januar 2027
Marisa Merz La danza delle ore, Gallery of Modern and Contemporary Art (GAM), Turin; Fondazione Merz, Turin; Castello di Rivoli, Rivoli, 29. Oktober 2026 bis 4. April 2027
Fred Sandback Cuts into Spaces (group show), Hall Art Foundation, Kunstmuseum Schloss Derneburg, ongoing
Negativa, Metropol Kunstraum, München, 24. September bis 16. Dezember 2026
Richard Tuttle Almost Sky, mit Jun Aoki, Tokyo Opera City Art Gallery, Tokyo, 18. Juli bis 23. September 2026
Half-Light, Dia:Beacon, Dia Art Foundation, Beacon, long-term view
Sol LeWitt (1928–2007)
Open Structure, Amoreacific Museum of Art, Seoul, bis 28. Februar 2027
A Wall Drawing Retrospective, Yale University Art Gallery and Williams College Museum of Art, 16. November 2008 – 2033